Speldorfs langer Weg zurück in die Spur

Nach der Trennung von Christian Mikolajczak übernimmt Ryoji Ishikawa beim VfB Speldorf. Das Debüt in der Halle ging schief. Trainer und Sportchef bitten jedoch um Zeit.

Es passte irgendwie zur aktuellen Situation des Oberligisten VfB Speldorf. Nach drei Siegen in Folge bei der Hallenstadtmeisterschaft Mülheim schied der VfB enttäuschend in der Zwischenrunde aus. „Natürlich ist es enttäuschend, aber das Ausscheiden in der Halle tut unserem Prozess der Erneuerung keinen Abbruch“, sagte Sportchef Oliver Röder direkt nach dem Ausscheiden gegen den A-Ligisten TuSpo Saarn. Die im Vergleich zur Vorrunde runderneuerte Mannschaft schaffte es nicht die aktuell angespannte Situation auszublenden.

Das Trainer-Debüt von Ryoji Ishikawa ging durch das überraschende Ausscheiden somit gehörig nach hinten los. Der Japaner, der zuletzt die Zweitvertretung der Damen des MSV Duisburg trainierte, nahm das Ausscheiden relativ gelassen zur Kenntnis. Nach dem Turnier zeigte sich Ishikawa weiterhin wenig beeindruckt von dem turbulenten Ausscheiden. „Ich mache mir keine Sorgen. Von unserem Kader hatten nur zwei bis drei Spieler Stammspieler-Niveau in der Oberliga“, sagte er. Mit von der Partie waren neben den bereits in der Vorrunde mitspielenden Abdul Rahman Ishak Yussuf und Jannis Timm auch Maxwell Bimpek und Ishikawas Freund Ryota Nakaoka, der den Kontakt zum VfB hergestellt hatte.

Sportchef Röder mahnt zur Geduld. Terwiel und Trienenjost sind weg.

Der Misserfolg in der Halle hilft dem aktuell angeschlagenen Klub nicht wirklich, Ruhe in die angespannte Lage zu bringen. „In letzter Zeit ist viel auf uns eingeprasselt. Ich musste mich um viele Dinge kümmern und erstmal Ruhe in den Verein bringen“, sagt Röder zu den vergangenen Tagen. Nach dem Abgang von Ex-Trainer Christian Mikolajczak hat der Sportchef, der in diesen Tagen weit mehr organisieren muss als nur die sportlichen Belange des Vereins, schnell gehandelt: „Bereits ab Silvester hatten wir eine Einigung mit Ryo erzielt“, sagt Röder.

Dass nicht alles von selbst klappt, das weiß der Ur-Speldorfer selbst ganz genau: „Es kommt nicht einfach ein neuer Trainer und alles ist wieder in bester Ordnung“, stellt Röder klar. „Wir brauchen Zeit. Es funktioniert nicht alles sofort“, fügt Röder hinzu. Derweil ist Top-Torjäger Andre Trienenjost zum SV Sonsbeck gewechselt. Auch Mittelfeldspieler Dennis Terwiel ist weg. „Dennis hat uns Richtung Scherpenberg verlassen“, bestätigte Röder nach dem Turnier.

Der nun 18köpfige Kader ist für die Rückrunde ohne Frage zu klein. Kevin Müller, Pierre Nowitzki und Kai Gröger stehen zudem noch auf der Kippe. Deshalb weiß auch Ishikawa: „Wir müssen bis zum Start noch etwas am Kader machen. Es müssen ein paar Spieler kommen“, sagt er. Dass er am Ende der Saison über dem Strich stehen wird, ist für Ishikawa keine Frage: „Das Ziel ist der Klassenerhalt. Den werde ich auch schaffen“, ist Ishikawa überzeugt.

Autor: Philip Ronden

Euphorie in Speldorf, Durchhalteparolen in Duisburg

Der FSV Duisburg betritt als Aufsteiger Neuland in der Oberliga Niederrhein, der VfB Speldorf tat dies genau vor einem Jahr. Nach drei Spieltagen ziehen die Trainer ihre erste Bilanz.

Den Duisburger Fehlstart in die neue Saison kann Speldorf-Trainer Christian Mikolajczak wohl sehr gut nachvollziehen. Denn als der VfB vor einem Jahr um diese Zeit selbst als Aufsteiger in die Oberliga ging, legten die Mülheimer einen genauso enttäuschenden Start hin wie der FSV. Trotz drei saftigen Pleiten aus den ersten drei Spielen fing sich die Mikolajczak-Elf im Laufe der Saison und konnte die Klasse relativ sicher halten. Den Underdog-Status aus dem letzten Jahr ist der VfB Speldorf jetzt los, die Ansprüche sind höher geworden.

Mit vier Punkten nach drei Spieltagen können alle Speldorfer zufrieden sein. „Wir wollen natürlich zuerst mal sehen, dass wir so schnell wie möglich mit der unteren Tabellenregion nichts zu tun haben“, formulierte Mikolajczak eine vorsichtige Zielsetzung. „In der Liga wird uns nichts geschenkt, aber wir wollen uns im Gegensatz zum letzten Jahr natürlich verbessern. Das haben wir bis jetzt schon geschafft“, bilanzierte der ehemalige Profi des FC Schalke 04.

„Ich bin kein Mensch, der aufgibt!“, Muhammet Isiktas

Ganz so zufrieden konnte sich sein Trainerkollege Muhammet Isiktas nicht äußern. Auch wenn es zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison sicherlich vermessen wäre, schon von einem Fluch zu sprechen. Dennoch geht man beim FSV Duisburg noch relativ entspannt mit dem Fehlstart um, auch wenn die Situation für die Psyche sicherlich nicht ganz so einfach ist. „Es ist jetzt unsere Arbeit, da einfach mal rauszukommen. Es sind oft nur Millimeter, die entscheidend sind“, erkannte der Duisburg-Trainer.

Die individuellen Fehler im Defensivverbund müssen in Zukunft abgestellt werden, auch offensiv gilt es sich zu verbessern. „Gegen Speldorf hätten wir wahrscheinlich noch drei Stunden weiterspielen können und wir hätten das Tor nicht getroffen“, analysierte Isiktas, der zugleich betonte: „Ich bin kein Mensch, der aufgibt. Das muss die Mannschaft jetzt begreifen, nach sechs Spieltagen bringt es dann auch nichts mehr sich zu trösten.“ Allzu lange sollte der erste Duisburger Saisonsieg also nicht auf sich warten lassen.