Wutausbruch von Mikolajczak nach dem Schlusspfiff

Beim VfB Speldorf gab es ausschließlich hängende Köpfe nach der 1:2 (0:1)-Niederlage bei Ratingen 04/19 am 6. Spieltag der Oberliga Niederrhein.

Somit bleibt das Team von Christian Mikolajczak auf dem letzten Tabellenplatz. Die Besucher unter den 250 auf den Rängen, die nach dem Abpfiff nicht direkt nachhause gegangen sind, durften einen ordentlichen Wutausbruch des Gästetrainers noch auf dem Spielfeld erleben. Kaum hatte Mikolajczak seine Truppe zusammengetrommelt, flogen ihnen die Wörter nur so um die Ohren: „Werdet mal endlich wach! Es geht hier beim VfB nicht um jeden Einzelnen, es geht um das Ganze“, hörte sich die Mannschaft stillschweigend und mit gesenkten Köpften die Wutrede ihres Trainers an. Schon kurz zuvor trat dieser noch während der Partie eine Werbebande um – in Speldorf kracht’s aktuell gewaltig.

Timm findet keine passende Antwort auf die Erfolglosigkeit

Nur ein Zähler aus den ersten sechs Partien sind dem Aufsteiger eindeutig zu wenig. Zumal die Mannschaft in Ratingen, insbesondere nach dem zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer durch Janis Timm, immer besser ins Spiel fand (53.). Auch der Torschütze wirkte nach den 90 Minuten vollkommen neben sich zu stehen. „So schnell finde ich keine Worte. In so einer Situation darf man auch schon einmal lauter werden. Das sind verständliche Emotionen, die zum Fußball dazugehören“, zeigte sich der Angreifer einverstanden mit dem Ausraster seines Trainers nach dem Spiel. „In der Oberliga wirst du einfach für jede Kleinigkeit bestraft. Am Ende stehst du wieder ohne Punkte da und fragst dich: warum überhaupt“, fand Timm auch nicht die passende Antwort auf die magere Punktausbeute seines Teams.

Anders sein Trainer, der sich nach ein paar Minuten gesammelt hatte und zur Analyse ansetzte: „Klar sind bei mir die Emotionen unmittelbar nach dem Spiel sehr hoch gekocht. Dennoch habe ich ein gutes Spiel meiner Jungs gesehen, insbesondere wurde technisch gut verschoben. Wir müssen lernen, in gewissen Situationen auch mal die taktische Variante zu wählen“, weiß Mikolajczak, wo er bis Mittwoch den Hebel ansetzen muss. Dann empfangen die Mülheimer keinen Geringeren als den aktuellen Tabellenführer ETB (19:30 Uhr, Saarner Straße). Auch Timm weiß, dass dies nur gut für die Mannschaft sein kann: „Wir haben keine Zeit nachzudenken. Wir machen einfach weiter“, so der 23-Jährige, der seine Jugend beim MSV Duisburg durchlaufen hat.

Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir oberligatauglich sind.

Speldorf-Trainer Christian Mikolajczak

Etwas besser war die Gefühlslage nach dem Sieg bei den Hausherren, wenngleich Karl Weiß ebenfalls nicht ganz zufrieden war: „Das war ein absolutes Kampfspiel. Speldorf ist auch keine Laufkundschaft. Am Mittwoch müssen wir einiges besser machen“, weiß der Trainer, dass die Trauben auch beim SV Straelen ganz schön hoch hängen. Der Aufsteiger rangiert unter den Top Five der Oberliga und Ratingen muss sich noch ordentlich strecken, um den Anforderungen am Stadionring gerecht zu werden. „Wir standen vor der Partie mit dem Rücken zur Wand. Vielleicht gibt uns der Sieg jetzt etwas Rückenwind“, geht Weiß voller Vorfreude in die Englische Woche.

Auch Mikolajczak hat seine Lehren aus dem Spiel gezogen und ist sich sicher: „Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir oberligatauglich sind.“ Eine klare Ansage. Der ETB kann kommen.

Oliver Stolz

Quelle: RevierSport